Der langjährige Blogleser mag diesen Beitrag als bekannten Klassiker einstufen, trotzdem wollen wir nicht vergessen, dass Fotografie nicht täglich neu erfunden werden kann. Genauso wie täglich neue Menschen die Kamera in die Hand nehmen und anfangen zu fotografieren, gibt es für uns keinen großen Anlass nicht auch mal ein paar grundlegende Setups zu wiederholen.
Heute geht es daher kurz und knackig um ein Foto mit nur einem Aufsteckblitz welches in wenigen Sekunden ein tolles Ergebnis liefert. Bei vielen Workshops habe ich die Erfahrung gemacht, dass die meisten Fotografen versuchen auf Gedeih und Verderb von der Kamera den Blitz weg zu bekommen. Ja, entfesseltes Blitzen ist schon cool aber warum muss die Lichtquelle denn am anderen Ende des Raums stehen?
Meistens wenn ich dieses Setup dann aufbaue, bekomme ich als Antwort zu hören, dass das doch nicht anders sei als ein ganz stink normaler Aufsteckblitz auf der Kamera. Pustekuchen!
Ja, wenn wir davon ausgehen, dass ein Aufsteckblitz über der Kamera klebt, dann klebt auch in diesem Foto der Blitz genau über der Kamera, dann hört es aber auch schon auf mit den Gemeinsamkeiten.
Wie man klar erkennen kann, berührt die Kamera beinahe die Softbox. Also die Position ist wirklich wie bei einem aufgesetzen Kompaktblitz. Allerdings sind die großen Unterschiede ganz wo anders zu finden.
Die Größe der Lichtquelle ist gigantisch im Vergleich zu den 5x8cm eines nackten Aufsteckblitzes.
Die mittlere Position der Lichtquelle reicht viel höher als der Aufsteckblitz (auch wenn die untere Kante der Box auf Höhe der Box ist) und erzeugt dadurch stärkere Schatten als ein Aufsteckblitz.
Wir können also vielmehr einige interessante kleine Schlüsse aus diesem Setup erlernen. Es ist nicht die Position eines Aufsteckblitzes was zwangsweise schlecht ist sondern vielmehr die Kombination aus Größe und Position. Die kameranahe Position alleine kann ein sehr tolles Licht erzeugen.
Gebraucht haben wir für dieses Foto einen einfachen Aufsteckblitz Yongnuo YN-560 II* und eine 60x60cm Walimex Magic Faltsoftbox*. Dazu ein simples Auslösesystem und aus die Maus.
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Probiert es doch auch mal aus… ihr werdet sehen, die Position ist nicht das Problem. Ganz im Gegenteil, eine kameranahe Ausleuchtung sorgt für tolle Motivlicht und wenn der Aufsteckblitz etwas größer ist, dann fetzt auch das Bild.
Angefangen hat dieser Beitrag mit einem anderen Beitrag. Nämlich unsere Strecke über den Para88. Der Para88 kostet ziemlich viel Geld und ziemlich viele Fotografen finden unsere Strecke darüber entweder sinnlos, angeberhaft oder sinnlos. Und daher wollen wir heute zeigen wie wenig sinnlos solche Beiträge sind, denn wir werden eine Wissensübertragung vornehmen. Wir werden ein tolles Licht aus der Art und Weise wie der Para88 funktioniert aus einem Aufsteckblitz zaubern… Schaut euch doch erstmal die Beiträge zum Para88 an. Nachfolgend alle drei bisherigen Beiträge aufgelistet.
So, unsere Aufgabe ist es also, dass wir aus dem Wissen über den Para88 ein neues tolles Licht bauen. Aber eben aus Aufsteckblitzen und ein paar weniger Euronen. Schauen wir uns erst einmal die finalen Fotos an. Guckt Sie euch genau an. Schaut euch die Lichtsetzung und vor allem die Charakteristik des Lichts an. Wie sehen Schatten aus, wie aggressiv sind die Lichter, wie dunkel sind die Schatten, wie ist der Verlauf von Hell zu Dunkel??
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Ich bin immer wieder erstaunt wie tolle Fotos mit Aufsteckblitzen möglich sind. Mit einem einzigen Blitz um genau zu sein… So sieht das Fotosetup zu den Fotos oben aus. Wir haben einen silbernen Reflexschirm verwendet. Quenox Parabol-Reflektor 215 cm* den es bei www.enjoyyourcamera.com (*SHOPLINK) gibt. 69 € steht da erstmal auf unserer Liste.
Zu dem Parabol-Reflektor muss man ein ehrliches Wort sagen. Es ist kein Parabol-Reflektor. Parabol ist nämlich eine ganz andere Form und wenn man die Form des Schirms mit dem des echten Paras vergleicht, dann sieht man, dass der Schirm viel zu offen ist. Im Endeffekt sollte das Ding QUENOX GIGANTISCHER REFLEXSCHIRM heißen.
(ACHTUNG: Wir sprechen vom silbernen Schirm und nicht vom weißen Schirm. Bei der weißen, matten Beschichtung ist alles egal :-))
Der Schirm ist gignatisch groß. 215cm ist echt riesig. Das große AHA kommt aber erst, wenn wir ins Innere des Schirms gucken. Da sehen wir nämlich ein besonderes Konstrukt.
Welche Kriterien wissen wir vom dem originalen Para88?
hochreflektierende Beschichtung
absolut mittige Zentrierung der Lichtquelle im Schirm
verschiebbare Position der Lichtquelle (Fokussierung)
Wir wissen alle, dass wenn wir einen Aufsteckblitz auf einen Schirmneiger stecken, dann befindet sich der Blitz 19-15cm über der Achse des Schirms. Also mit einem normalen Schirmneiger, dicken Auslöser drauf und dann den Blitz erreichen wir unser Para-Ziel nicht!
Ein Ringblitz wäre die Lösung… und bei den großen Parabolschirmen von Broncolor ist das auch der Fall. Dort wird ein Ringblitz im Para genutzt.
Ein Ringblitzvorsatz befindet sich an einem Aufsteckblitz am Stativ und zwar so, dass der Schirm direkt durch den Ring geht. Der Aufsatz ist ein relativ teurer Vorsatz von Orbis*. Das Teil ist teuer, eigentlich viel zu teuer aber ich kennen kaum einen anderen Vorsatz der das Licht so gleichmäßig über den Ring verteilt. 200 € schlagen schon echt fett ins Budget!!!
Aber warum haben wir das gemacht? Der Schirm ist sehr hochreflektierend und wenn wir schräg in den Schirm blitzen, dann tritt das Licht eben schräg wieder aus. Der Schirm ist echt kritisch und fast wie ein Spiegel. Das Licht muss wirklich super sauber geführt werden und wenn wir einen Aufsteckblitz einfach oben drauf setzen, dann wird das meiste Licht in den Boden geworfen. Probiert es doch mal aus!
Wir haben aber nicht nur das Problem, dass der Blitz oben abseits der Lichtachse des Schirms sitzen würde sondern zusätzlich auch noch, dass der Schirm so schwer ist, dass sich die Mittelstrebe biegt. Dadurch verschiebt sich alles weg vom Blitz. Im Diagramm oben sehen wir, wie schräg das Licht auf der Achse sitzen würde.
Wenn wir uns jetzt mal den Ringblitz im Schirm bei einer aktiven Testauslösung ansehen, dann sehen wir die Perfektion dieser Ausleuchtung. Wir haben einen inneren Helligkeitsspot und dazu noch eine dezente Aufhellung durch die äußeren Streben. Für uns ist besonders wichtig, dass das Licht absolut symmetrisch ist und direkt in der Mitte hängt. Würde der Spot verschoben sein, leicht seitlich oder versetzt, dann würde das Licht auch nicht mehr sauber nach vorne aus dem Schirm heraus kommen sondern eben schräg.
Zum Blitzen haben wir einen Yongnuo YN-568* verwendet. Aber da hätten wir genauso gut einen günstigeren Yongnuo YN-560II* nehmen können. Im Endeffekt haben wir nur auf 1/8 Leistung geblitzt. Macht also weitere 70 € auf der Liste (200 € im Bonzenfall!).
Übrigens habe ich bei Facebook die Tage gelesen, dass da nicht mehr viel Bums rauskommen würde. Das ist FALSCH! Wir sind gerade bei f5.6 bei ISO200 und das bei 1/8 Leistung. Wir haben also noch 3 Blenden an Blitzpotential. Wir könnten also hoch bis auf f16 bei ISO200 und im Beispiel oben sind wir nicht einmal nahe dran. Der Abstand ist ca. 2-3 Meter und damit sogar tauglich für Ganzkörperaufnahmen. Also behaltet das im Hinterkopf. Mit dem Schirm würde man sogar gegen die Sonne ankommen und zwar völlig problemlos! f11 bei ISO100 :-) WOW!
Ausgelöst wurde der Blitz sehr OLD-SCHOOL mit dem Yongnuo RF-602*, wir brauchten ja nur das manuelle Auslösen des Blitzes auf einer voreingestellten Leistung. KAJING… 40 € auf unsere Ausgabenliste!
Ein wichtiges Detail ist aber auch das Galgenstativ Combi HD* (€€€€€€€€€€€… :-( mal wieder 170 €!) . Wir haben ein Stahlstativ genutzt. Die Belastung ist ziemlich asymmetrisch und ein kleines, leichtes Stativ würde da sofort umfallen. Vergesst nicht, dass sogar der Blitz seitlich am Stativ hängt und damit das Stativ eigentlich schräg weg zieht.
Der Para88 ist deshalb auch so besonders, weil der Blitz auf der Achse im Schirm verschoben werden kann. Damit kann man das Licht fokussieren. Die Frage ist jetzt also wie unser Konstrukt funktioniert und ob das hier auch klappt??? Und ich denke da lassen wir einfach Bilder sprechen, denn wir haben den Test gemacht!
Hier kommen zwei Vergleichsbilder direkt aus Lightroom. Schaut euch den extremen Unterschied an! Auf der linken Seite ist der Schirm sehr weit weg und wird damit fast komplett gefüllt. Auf der rechten Seite ist der Blitz sehr weit in den Blitz geschoben. Dadurch wird eigentlich nur der innere Bereich des Schirms beblitzt und das Licht fungiert komplett anders. Aggressiver!
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Hättet ihr gedacht, dass der Unterschied so extrem ist? 40cm verschieben des Schirms??? Ehrlich!!! Ich bin selbst beim Schreiben des Beitrages noch total erstaunt. So extrem und da spricht das ungephotoshopte RAW… KRAAASS!
Nochmals zur Klarstellung. Wir selbst haben keinen Para88 und mit solchen Videostrecken über ziemlich teure und gleichfalls fett geniale Ausrüstung wollen wir euch die Möglichkeiten geben von Dingen zu lernen, die man sonst so nicht sieht, die man evtl. anders nicht erklärt wird.
So an alle Nörgler und Sparer da draußen. Wir machen solche Videos nicht zum Angeben oder um zu zeigen wie cool wir sind, weil wir uns so einen Parabolschirm ausleihen können. Wir machen es, weil wir aus dem Wissen aus solchen Videos unglaublich viel lernen können und dieses Gelernte dann auch mit weniger Ausrüstung perfekt einsetzen können. Es geht in der Fotografie nicht darum, wer den Längsten, Dicksten und Teuersten hat. Sondern im Endeffekt zählt das Wissen wie man was einsetzt.
Ich hoffe ihr bastelt euch den Schrim alle nach… das Licht ist nur noch geil… wenn auch alles etwas wackelig :-) SEEEHR WACKELIG! Aber das Bild und das Licht spricht eben für sich selbst… ABER ACHTUNG: Liebe Aufsteckblitzer… bedenkt bitte auch mal den Kostenfaktor. Wir haben für dieses eine Licht insgesamt ca. 900 € ausgegeben. Schirm, Lite-Tite Schirmneiger 026*, Superclamp 035*, Auslöser, Blitz, Ringblitzvorsatz, Stativ… klar, vieles kann man auch so verwenden oder hat man sowieso aber jetzt sehr ihr den Para vielleicht mit etwas anderen Augen… Das Licht oben ist nicht LOW BUDGET… ein Blitz und ein Schirm wäre definitiv günstiger aber eben niemals so perfekt schön. Und genau darum geht es auch beim Para88. Es geht günstiger aber es sieht eben auch nicht so aus.
ACHTUNG: Wir meinen hier nicht die Schärfe in Form der Objektiv-Fokussierung oder der Strahlen-Fokussierung durch das Objektiv. Es ist im Endeffekt das Gesamtkonglomerat der finalen Schärfewirkung gemeint.
Viele Fotografen denken, dass Schärfe im Endeffekt von einigen wenigen Dingen abhängt. Was habe ich nicht schon gelesen in Büchern oder Foren. Schärfe hängt ab von:
der Güte des Objektivs. Wer billig kauft, kriegt unscharfe Fotos anscheinend!
der richtigen oder falschen Nachschärfung in Photoshop
der richtigen oder falschen Kamera
Megapixel
der Verwendung von Offenblende
plattem Licht
All das sind Dinge, die anscheinend das Bild unscharf oder matschig wirken lassen. Ganz selten wird aber auf das Licht eingegangen. Licht bestimmt nämlich viel mehr unsere finale Schärfe als die meisten denken. Licht formt unser Motiv und kann unser Motiv auch unscharf werden lassen. Wie das?
Ganz einfach. Licht trennt sich im Endeffekt auf in weiche und harte Schatten und damit auch gleich in Lichtkanten und Schattenkanten.
Weiches Licht hat weich verlaufende Übergänge und damit werden im Endeffekt Übergänge unschärfer. Und jetzt kommt der Rückschluss auf die Gesamtschärfe.
Schärfe ist im Endeffekt nichts anderes als kontrastreiche Kanten und Übergänge. Eine scharfe Kante hat im Detail einen hohen Kontrast. Das heißt sind die beieinander liegenden Pixel möglichst unterschiedlich in Luminanz und Farbe, so denkt unser Gehirn es sei eine scharfe Kante und das ist für uns (über ein gesamtes Bild gesehen) dann die Schärfe.
Hier einmal zwei Fotos zum Vergleich. Gleiche Kamera, gleiche Einstellung, gleich alles… bis auf das Licht. Einmal mit der Zimmerbeleuchtung aufgenommen…
… und nachfolgend noch mit einer Taschenlampe.
Das komplette Auto wirkt schärfer und kontrastreicher. Der Motorblock hat mehr Zeichnung, mehr Highlights und mehr Schatten. Das Spinnennetz auf der Türe wirklich gleich 1000x so scharf. Nur weil weiß mehr leuchtet und rot eben roter ist. Oder abermals der Motorblock. Dort sieht man ganz deutlich, dass oben der Block fast nur im Graubereich in der Helligkeit liegt, während im Bild unten schwarz und weiß sich die Hand gibt. Unten haben wir Kontraste, oben haben wir kaum Kontraste sondern fast nur grau.
Machen wir es sehr plastisch. Denkt an einen Wollpullover. Dort sind im Detail einzelne Fasern zu finden. Bei einem weichen Licht sind die Fasern alle korrekt belichtet mit leichter Zeichnung. Nehme ich ein hartes Licht darauf, so bekommt jede einzelne Faser ein kleines Highlight aufgesetzt. Dieses Highlight sorgt in der Ausleuchtung dann für einen höheren Mikrokontrast und dadurch für mehr Schärfe.
Übertragen wir das ganze jetzt auf unsere Thematik der Peoplefotografie, dann wirkt das Licht dort genauso. Hartes Licht erzeugt ein schärferes Ergebnis und höhere Details als ein weiches Licht.
Auch hierzu gibt es einen Lichtvergleich aus der Praxis. Die Leonie einmal mit einem 150cm Schirm und dann nochmals mit einem puren Aufsteckblitz, ohne Lichtformer davor.
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Bedenkt bitte, dass beide Bilder mit gleichem Objektiv, Kamera etc. gemacht und vor allem auch mit gleichen Einstellungen exportiert worden sind. Gleiche Schärfeeinstellung bei gleicher Blende… Natürlich hängen auch die obigen Kriterien mit drin, ein gutes Objektiv wird schärfer abbilden als ein schlechteres Objektiv. Aber Licht wirkt viel mehr an der Schärfe als man denkt. Einmal wirkt das Bild fast überschärft (unten) während das Portrait oben fast schon etwas weichgezeichnet in der Haut wirkt.
Wie können wir das jetzt in die Praxis übertragen? Direktes Sonnenlicht wird mehr Schärfe generieren als wenn Wolken davor sind. Habe ich eine etwas unschöne Haut, dann sollte ich nicht in hartem Licht fotografieren sondern eher das weiche Licht suchen.
Möchte ich Strukturen und Texturen herausarbeiten, dann sorgt für eine harte Lichtkante oder eine zusätzliche Schärfelichtquelle im Bild. Ein Trick aus der Praxis ist z.B. trotz einer weichen Hauptlichtquelle für das Bild noch eine zusätzliche Blitzquelle zu setzen für die Konturen und Texturen. Die kann 2-3 Blenden dunkler und damit fast unscheinbar belichtet werden, aber die Schärfe wird dadurch neue Bereich erklimmen.
So, das wars für heute… denkt man drüber nach was ihr für Erfahrungen zum Punkto LICHT & SCHÄRFE gemacht habt und schreibt diese Erfahrungen gerne in die Kommentare. Anders, gegenteilig, gleicher Meinung??? Wir wollen eure Erfahrungen lesen.