NIKON CLS PART VIII – HIGHSPEED-ACTION-SHOTS
KURZE INFO: Nein, CLS und trotzdem bin ich nicht Andreas Jorns. Hier ist Martin und heute müsst ihr zwangsweise mit mir Vorlieb nehmen, denn Andreas verweilt derzeit in den fernen USA. Heute war er im Yosemite Nationalpark. Er kommt erst in den nächsten Wochen wieder und bis dahin bin ich für euch Nikonianer da! :-) ÄTSCH! Aber kommen wir direkt zum Thema.
Nicht oft kann man mit guter Miene und Überzeugung sagen, dass man wirklich keine andere Möglichkeit hatte, als mit ein paar Aufsteckblitzen und der Kamera loszuziehen. Umso mehr freue ich mich, dass es heute der Fall ist. Wir waren mal wieder im deutschen Eichenwald… :-) und um ohne Probleme an den ADW zu kommen und dabei noch genug Blitzpower für ein paar coole Fotos haben, mussten wir 3 Aufsteckblitze mitnehmen. Die Strecke befand sich mehrere Kilometer im Wald, zugänglich nur über eine echt miese Fusstrecke oder Downhill mit dem Bike. Eine andere Möglichkeit drei vollkommen unabhängige Lichtquellen zu haben, würde zig Euro kosten und dazu hätten wir ziemlich viele DEUTSCHE SCHERPAS gebraucht.
3 frei positionierbare Lichtquellen, 8 Ersatzakkus und nicht einmal Funkauslöser. 2kg!!! Besser gehts nicht. Dazu kommen Manfrotto NANO Stative mit 2kg Gesamtgewicht; ohne Lichtformer… Gobo Gorillapods und das wars.
Aber kommen wir zuerst einmal zu den fertigen Fotos und dann definieren wir das heutige Thema des Beitrages.
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Das sind die Fotos um die es heute geht. Und nicht nur, dass diese zwei komplett unterschiedliche Styles beinhalten, nein, es sind auch noch verschiedene Setups. Einmal (beim oberen Foto) wurde nur ein Blitz genutzt, beim unteren Foto wurden sogar zwei Blitze für das Foto aktiviert. Und um jetzt direkt auf das Thema zu kommen. Wir werden zum einen die Machart beider Fotos besprechen, dann noch genauer auf die FP-Sync-Funktion in der Highspeed-Fotografie eingehen und dann auch etwas generell WICHTIGES zum Thema Actionfotografie lernen.
Leider haben wir kein Foto um euch einen Überblick über das Setup zu geben. Daher gibt es nur die Skizze. Es gab den Bike-Trail durch den Wald, eine schräge Kurve und der Fahrer fuhr direkt auf die Kamera zu… Halt, es war eine Fahrerin! Die Lizzy!

Insgesamt hatten wir “MAXIMAL” zwei Blitze im Einsatz. Einer auf einem Stativ. Ein weiterer an einem Ast an einem Baum hängend. Guckt euch direkt mal die Fotos an. Mit einem Gorilla Pod an einem Baum hängend! :-) Weniger Gewicht geht nicht.

So, und jetzt gilt es auch direkt die Kameraeinstellung zu klären. Fangen wir mit dem ersten Foto an.

1-Blitz-Setup (ERSTES FOTO)
1/1000s – f4 – ISO2000
Dabei wollten wir nur den rechten Blitz auf dem Stativ einsetzen.
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Die Idee war die Fahrerin des Mountainbikes in der Kurve einzufrieren. Dazu sollte die Stimmung des Waldes noch präsent sein, die Mountainbikerin aber zugleich im Vordergrund des Fotos stehen.
Durch eine leichte Unterbelichtung des Umgebungslichtes und des Hintergrundes erreicht man automatisch eine helligkeitsbedingte Freistellung des Hauptobjektes. Also: Hintergrund runter, Mountainbiker korrekt belichten… Schwups hat man eine Freistellung.
Jetzt könnte man eigentlich ganz einfach vorgehen und das Umgebungslicht einmessen, etwas abblenden und die Blitze korrekt belichten lassen. HALT!!! Das könnten wir, WENN DA NICHT die Moutainbikerin wäre, die mit ca. 40 Sachen auf den Fotografen zugefahren käme. Geschwindigkeit erzeugt Probleme!!!
1. Durch die schnelle Bewegung des Hauptobjektes “verschmiert” bei einer zu langen Belichtungszeit die Fahrerin.
2. Durch die schnelle Bewegung wird gleichzeitig das Fokussieren stark erschwert. Wenn die Fahrerin nicht “verschmiert”, dann ist sie evtl. gar nicht mehr im Schärfebereich.
Und diese beiden Dinge machen Actionfotografie so schwierig. Man muss die Belichtungszeit kurz halten, aber gleichzeitig auch genügend Tiefenschärfe gewährleisten. Und was wissen wir noch??? Kurze Belichtungszeiten und geschlossenere Blenden kosten Licht… :-) VIEL LICHT… und im Wald unter den Bäumen hat man nicht wirklich viel Licht. Und konsequenterweise enden wir damit bei extrem hohen ISO-Werten. Das geht sogar hoch bis ISO3200 an einem sonnigen Tag.
Und so war es denn auch. Um die Waldstimmung einigermaßen auf das Foto zu bekommen, mussten wir das Bild mit 1/1000s, bei f4 bei ISO2000 belichten. ISO1000 bei f2.8 wäre bereits aufgrund des reduzierten Schärfebereichs viel viel kritischer gewesen.

KLARTEXT: LIEBER ISO2000 bei f4 als ISO1000 bei f2.8. Lieber ein scharfes Foto, das verrauscht ist, als ein weniger verrauschtes Foto bei dem der Schärfebereich wenige Zentimeter ist.
Daher: 1/1000s – f4 – ISO2000
Und da wären wir heute schon beim ersten wichtigen Punkt. Das sind die idealen Einstellungen. Nicht ideal für immer und ewig aber für das damals vorherrschende dämmrige Waldlicht perfekt. Glaubt mir, auch wenn es komisch klingt. Weniger Tiefenschärfe macht es fast unmöglich den Fahrer an der richtigen Stelle zu erwischen, kürzere Belizeit lässt schon wieder Speichen und Räder verschwischen, weniger ISO würde die restliche Atmosphäre killen. Und manchmal ist eben ISO2000 das Beste, das irgendwie nur geht!
So, und jetzt kommen wir zum CLS. Das ist eigentlich die leichteste Sache bei der ganzen Geschichte. Wir haben den Blitz halbschräg (45°-Winkel zur Kamera) aufgebaut, auf’s Stativ damit und im REMOTE-Modus angemacht. Group A, CH1… Leichter Zoombereich, sodass nicht nur der Fahrer sondern auch etwas Umgebung getroffen wird. Und ab ging die Post. Wir haben den eingebauten POP-UP Blitz der D700 genutzt. Damit wurde der Blitz gezündet. An der Kamera hatten wir die FP-Sync aktiviert um schneller als eine 1/250s belichten zu können.


Auf dem Foto oben erkennt ihr, dass wir an der D700 im Menü eine Korrektur von -1,7 Blenden vorgenommen haben. WARUM? Schaut euch nochmals das Foto an. Mountainbikefahrerin in komplett SCHWARZ!!! Damit das schwarz auch wirklich schwarz bleibt, und nicht durch den Blitz weggeballert wird, mussten wir die Korrektur nach unten aktivieren. Der Blitz würde ansonsten denken, dass viel zu wenig Licht reflektiert wird (was bei Schwarz ja eigentlich so sein soll) und die Leistung automatisch nach oben regeln.
Wie ihr auch auf dem Kameradisplay erkennen könnt, haben wir den internen Blitz DEAKTIVIERT.
Zweiter wichtiger Lernfaktor für heute… Mit dem CLS zu arbeiten ist nicht mehr als den Blitz aufzustellen, anzuschalten und je nach Bildinhalt die Belichtung zu korrigieren. Dafür gibt es keine konkrete Richtlinie. Einfach durchprobieren wobei ihr aufpassen solltet, dass eine bestimmte Einstellung nur für einen bestimmten Bildinhalt gelten kann. Ändert ihr das Foto, die Kamerarichtung oder den Ausschnitt, ändert sich auch die Belichtungskorrektur.

2-Blitz-Setup (ZWEITES FOTO)
1/20s – f11 – ISO100
Nachdem das erste Foto im Kasten war, war noch genügend Zeit um etwas mit der Kamera zu spielen und einige Ideen auszuprobieren. Langzeitbelichtung und Blitz auf den zweiten Vorhang. Wann man während der verlängerten Belichtungszeit die Kamera mit dem Bike mitzieht, dann bekommt man über die Hintergrundbelichtung die Umgebung verschwommen auf das Foto und der Blitz zündet dann im letztmöglichen Augenblick um das Objekt scharf einzufrieren.
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Bei einem Mitzieher ist eine Sache besonders wichtig und das ist die Hervorhebung des Objekts aus dem Hintergrund heraus. Wenn man nun direkt auf das Objekt vor dem Hintergrund blitzt, dann plättet man das Bild. Platt, da die Ausleuchtung eben keine Tiefe herausarbeitet. Das Licht formt das Objekt sozusagen zu wenig dreidimensional.
Was also fehlt ist eine weitere Lichtquelle. Eine Lichtquelle, die uns die Tiefe des Bildes zeigt und die den Fahrer noch mehr vom Hintergrund abhebt. Dort, wo der erste Blitz nicht hinkommt, muss eine weitere Lichtquelle den Fahrer ebenfalls erwischen und einfrieren.
Wir schalteten also den zweiten Blitz dazu (GRÜN). Dieser Blitz stand dabei übrigens auf Gruppe B um extra angesteuert und korrigiert werden zu können.
Und jetzt kommt ein ganz wichtiger Punkt bei der Arbeit mit Aufsteckblitzen. Auch wenn alle Blitze und Automatismen strikt nach mathematischen Algorithmen arbeiten, planbar und logisch sind, so unlogisch ist es manchmal mit ihnen zu arbeiten. Normalerweise könnte man denken, dass man auch den zweiten Blitz in der Leistung reduzieren müsste, um nicht eine Überbelichtung auf den Streiflichtern zu produzieren.
FALSCH!!! :-) Komischerweise mussten wir den Blitz sogar noch in der Gewichtung steigern.

Auch wenn es komisch erscheint… :-) manchmal müsst ihr einfach Änderungen vornehmen, welche aufgrund des Ergebnisses nötig sind, aber vielleicht nicht logisch erscheinen. Wenn der Blitz in Gruppe B auf jedem Foto, das ihr macht, zu schwach erscheint, dann muss er eben höher gestellt werden :-)… Nicht immer darf man als Fotograf zu sehr auf die Technik achten und nach jedem kleinsten Grund suchen, solange das Ergebnis stimmt. Denn auf das Foto kommt es an!

Wenn ihr mal einen wirklichen gezielten Blick auf die Fotos werft, dann seht ihr direkt die Reflexe und die Auswirkungen der Blitze und auch diesmal haben wir sie wieder eingezeichnet.


Tja, das wars… so wurden die beiden Fotos gemacht… jetzt wisst ihr alles… Ihr wisst, wie wir die Fotos eingestellt haben, ihr wisst, was ihr bei schnellen, sich bewegenden Objekten beachten müsst, und wie man das mit zwei stinknormalen Aufsteckblitzen machen kann. Und jetzt noch ein paar Infos, die evtl. wichtig für das Foto waren, aber nicht so speziell, als dass sie an anderer Stelle in den Post gefunden hätten.
- Wir fokussieren vorher auf den Boden und lösen dann die Kamera aus, wenn der Fahrer die Stelle passiert. Anders trifft man nie wirklich den engen Ausleuchtungskegel der Blitze.
- Wir kontrollieren vor Ort auf dem Laptop die Ergebnisse in BIG!!! Zu 90%!
- Wir stellen das Lichtsetup mit einem statischen “Fahrer” ein und lassen ihn nicht ständig wieder den Berg hoch laufen.

Machts gut Leute und hoffentlich auf BALD…
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