THE BIGGER THE BETTER??? NIKON D800
Quo vadis Canon et Nikon??? Nachdem nun auf CanonRumors ein Megapixelmonster und damit ein Pendant zur Nikon D800 angekündigt wird, stellt dies doch einen perfekten Moment dar um sich mal etwas genauer mit den extrem hohen Megapixelzahlen zu beschäftigen. Wir haben jetzt seit Weihnachten 2012 eine Nikon D800* im Haus und schon so einige Fotos damit gemacht. Und vielleicht wird es den einen oder anderen überraschen aber so schön die Kamera ist, so nervig kann das Arbeiten mit der D800 sein. Nicht wegen Nikon, weil die Objektive in die falsche Richtung aufgedreht werden oder weil alle Knöpfe an der falschen Stelle liegen :-)… nein, allein die Auflösung ist damit gemeint.

Diesen Beitrag müssen wir anhand der Nikon D800 schreiben. Alternativ hätten wir diese Thematik nur mit Aufnahmen von Mittelformatkameras belegen können. Im Mittelformatbereich gibt es schon seit 2-3 Jahren Auflösungen über 30mp. Das nachfolgende Beispiel kann übrigens auch andere Kameras treffen mit geringerer Auflösung treffen. Aber die D800 zieht dieses Problem scheinbar magisch an!
Also was genau ist an der Bildgröße der D800 so nervig?

Die Antwort ist mal wieder nicht während des wirklichen Fotografierens zu finden sondern in der Postproduktion. In der Retusche kann diese hohe Auflösung so jedem Fotografen echt den Spaß verderben.

Hier ein Foto von unserem Lingerie-Workshop mit Dorka in Köln vor dem Auftritt von Martin Wieland in der Live-Show. Anhand des Outfits lässt sich perfekt zeigen was genau mit “Spaß verderben” gemeint ist.
Die Auflösung der Kamera ist so hoch, dass selbst bei Querformataufnahmen bei denen die Person nur 30% des Bildes einnimmt, selbst kleinste Strukturen des Stoffes klar und deutlich aufgenommen werden. Auf dem Foto entspricht das Motiv einer 21 MP Kamera im Hochformat. Ungefähr! Also ist garnicht das volle Potential der 36MP.
Noch schlimmer ist diese Problematik natürlich mit jedem Centimeter bei dem das Motiv noch weiter gefüllt wird und die Auflösung sich auf die Struktur konzentrieren kann.
Kommen wir also zu einer grundlegenden Retusche in der Peoplefotografie. Bei uns ist das AUSBESSERN-TOOL in Photoshop mit das wichtigste Tool um Unreinheiten, Narben, Pickelchen oder sonstige störende Elemente zu entfernen. Funktioniert ja super einfach. Böse Stelle auswählen und den Bereich über eine schön-strukturierte Stelle verschieben. Voila, Photoshop rechnet die Struktur drüber und alles ist perfekt. DENKSTE!!! :-)

Denn bei feinen regelmäßigen Strukturen patzt Photoshop an den Rendern des Bereichs! Die Struktur wird zwar perfekt darüber gerechnet, unser Auge erkennt aber, dass die Struktur nicht mit dem Motiv an der Stelle passt. Die Linienführung ist anders und meistens stimmt der Ansatz zum ausgebesserten Bereich garnicht.

Solche Stellen kann man nicht raus geben… NO CHANCE!

Lösung ist für uns also, dass wir die Struktur aufwändig überlagern und die Rändern anpassen müssen. Mit Tranformierung, Maskierung etc… oder feinstes Stempeln in der 300% Ansicht. Nix mit Geschwindigkeit.
Und das ist jetzt nur ein Beispiel von einigen Photoshop-Techniken die nicht mehr zu 100% funktionieren.
ACHTUNG: Gerade das Problem mit dem Ausbessern kann schon bei kleinerer Kameraauflösung erscheinen. Kommt natürlich immer darauf an wie arg wir die Auflösung auf den Inhalt konzentrieren. Die Grundaussage des Beitrages ist, dass die Probleme eben nicht mehr Einzelfallprobleme sind sondern eben 08:15 Dauerprobleme!
Jeder Photoshop-Freak würde sich jetzt freuen… noch mehr Zeit am Rechner verbringen zu dürfen und wieder abgefahrene neue Techniken zu erlernen. Neue Herausforderungen… WOW… wir sind einfach nur genervt. So manche Arbeitsweise von früher passt einfach nicht mehr. Und Zeit geht ohne Ende drauf. Mehr als man im ersten Moment denken mag.
Aber bei einem Fotoshooting bei dem die gleiche Stelle auf 5 Fotos weggemacht werden muss… naja, ihr könnt selbst rechnen. Das summiert sich einfach! Und wer jetzt denkt, naja, so viele Dorkas fotografier ich garnicht. Das Problem kann auf alle kleinen Strukturen übertragen werden. Wie krass die Auflösung sein kann zeigt nachfolgendes Beispiel.

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Und bitte schaut euch nur die 100% Ansicht an, wenn ihr nicht Technik-Kauf-Süchtig seid. Denn dieser Screenshot soll nicht bewirken, dass das HABEN-WILL weiter angeregt wird sondern ganz im Gegenteil etwas abschrecken.
Es gibt nämlich wichtiger Dinge als die Auflösung und die Bildschärfe. Mir ist ein Bild mit kleinerer Auflösung lieber wenn ich dafür besser und einfacher retuschieren kann und vielleicht in der gleichen Zeit nur 2-3 Bilder mehr fertig gestellt bekomme.

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Was denkt ihr? Fluch oder Segen die Hohenmegapixelzahlen? Aufhalten können wir die Entwicklung wohl kaum und auch vor ein paar Jahren wurde die 10 Megapixel Mark XYZ schon als Megapixelmonster in den Fotozeitschriften tituliert. Die Entwicklung geht einfach weiter aber irgendwie haben wir gerade einen Punkt überschritten an denen wir hier in der Praxis tag ein tag aus merken wie viel aufwendiger die Retusche wird. Zeitraubender… da lob ich mir doch die 16mp der 1D Mark IV. Da kann man noch über fast alle Strukturen drüberbügeln und das Bild sieht auch deswegen nicht scheiße aus!!!!!
Es ist ja nicht so, dass derlei Probleme nicht schon länger existieren. Z.B. im oben genannten Mittelformatbereich. Oder mit anderen Kamera wenn man eben sehr Details fotografiert. Bei der D800 ist das Problem eher wie oft die Auflösung der Kamera durchkommt. Während früher das Problem eben in Einzelfällen aufgetaucht ist, kommt es zwischenzeitlich eigentlich bei jedem Foto zum Vorschein. :-) Es ist also eher dass man gar nicht mehr drumherum kommt. Wer mit einer MF-Kamera produziert, hat normalerweise auch entsprechend das Budget dahinter… da können dann auch ein paar Tage mehr in die Bearbeitung fließen. Man nimmt eben eine MF-Kamera nicht für grundsätzlich alle Aufnahmen. Und das war ja oft der Vorteil am Kleinbild… die Geschwindigkeit und der reduzierte Aufwand. Und wer hat schon 3-4 Kameras zu Hause und kann mal so einfach die richtige Kamera für den richtigen Aufwand wählen???
LG
Martin & Marc
Kurz Verdeutlichung des Problems am Praxisbeispiel. Wir haben Aufnahmen gemacht, Ganzkörper von einem Modell im langen Kleid. Dabei war es Winter. So, jetzt friert die Dame und bekommt Gänsehaut. Wir müssen jetzt super aufwendig die Haut glätten und säubern, weil wir die Daten nicht so mit Gänsehaut abgeben können. Die gleichen Aufnahmen mit 12-20MP hätten kaum Gänsehaut sichtbar habt. Die Hautstruktur wäre einfach durch die Auflösung verschluckt worden. Wir können auch nicht einfach die Bilder kleiner rechnen, denn die Struktur wird beim Verkleinern meistens sogar noch erhöht. Wir müssten das Bild so klein rechnen, dass der Kunde uns killen würde. Einfach “GAUSCHEN” wie in den Kommentaren gesagt geht auch nicht. Das gibt dann eigentlich nur Matsche! Also heißt es auf jedes Bild eine schnelle Quick-Dirty-Hautretusche zu machen. Oder beim nächsten Mal einfach mit einer anderen Kamera fotografieren. Wir können wechseln, wir haben zig Kameras. Unser Beitrag war aber auch dahingehend gerichtet, dass viele Fotografen sicherlich eine Arbeitskamera haben und die Entscheidung welche es wird, sollte einfach überdacht werden. So einfach mal schnell, verkleinern, weg machen, gauschen, anderes PS-Tool… ich glaube da machen es sich fast alle in den “kritischen Kommentaren” etwas zu einfach. Oder was sollten wir mit den Gänsehaut-Bildern machen?
PS: Die Bilder zu verkleinern nachträglich bringt auch nix, denn der Detailreichtum wird beim Verkleinern teilweise noch verstärkt, mindestens aber mitgenommen.
PS2: Und bevor jetzt wieder ein Meckerer kommt. Ja, es ist ein Für und Wieder. Auflösung kann auf positiv sein… sie kann nerven. Und ja, es kommt immer darauf an was man wie macht… blabla… Jeder fotografiert etwas anders, jeder hat eigene Blenden, Arbeitsweisen, Licht etc… und niemand muss wegen des Beitrages was anders machen… blablabla…Traurig dass ich sowas schon präventiv-schreiben muss.
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